Die Wegstrecke

Die Route des Exils der Waldenser, die sich mit einer Länge von 382 Kilometer durch Italien (135 km), Frankreich (242 km) und die Schweiz (5 km) erstreckt, ist derzeit in

Bauphase. Der Pfad folgt dem Weg, den dreizehn Scharen von insgesamt rund 3.000 Waldensern auf einem Zwangsmarsch nach Genf zurücklegten, nachdem sie im Jahr 1687 aus Piemont verbannt und in piemontesischen Gefängnisse festgehalten wurden.

Der italienische Routenabschnitt beginnt in Saluzzo, einer der Gefangenschaftsorte der Waldenser, und führt auf Straßen und Fahrradwegen durch die piemontesische Ebene bis nach Avigliana. Danach legt man das Susatal bis zum Mont Cenis, entlang des alten Königsweges, zurück. Von hier aus kommt man durch die Maurienne nach Annecy und anschließend nach Genf.

Zurzeit ist der Streckenabschnitt, der sehr gut begehbare sowie mit dem Rad befahrbare Straßen umfasst, noch nicht beschildert. In den ersten Monaten des Jahres 2014 ist jedoch die Veröffentlichung eines Routenführers geplant, der neben genauen Angaben sowie Informationen über die Geschichte des Wegs in Frankreich und in Italien eine Landkarte zur Erleichterung des Weges erzielt wird.

Geschichte

Die Route verfolgt den Weg der verbannten Waldenser zurück, die Anfang des Jahres 1687 von savoyischen Soldaten bis Genf eskortiert wurden. Durch die piemontesische Ebene und den Pass von Mont Cenis hindurch, nach Abstieg in französisches Gebiet in der damaligen Region Savoyen führt der Pfad bis nach Genf.

Beim Genießen der Naturschönheiten wird die am Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte Tragödie der Verfolgung, der Deportation, der Aberkennung der Rechte aber gleichzeitig auch eine Geschichte der Solidarität, Aufnahme von Flüchtlingen, des Willens, einem Volk zu helfen, wieder erlebt.

Nachdem der französische König Ludwig XIV. 1685 das Edikt von Nantes widerrief, herrschte in Frankreich ein Klima der Verfolgung. Die Hugenotten flüchteten und suchten Schutz in dem protestantischen Europa. Einige von ihnen kamen auch in das Gebiet von Savoyen an der Grenze zu Frankreich (Pellicetal, Germanascatal, Chisonetal), wo die reformierten Waldenser lebten. Auf Drängen von Ludwig XIV. hin verkündete auch Herzog von Savoyen, Viktor Amadeus II., am 4. November 1685 ein Edikt, mit dem er „seinen Waldensern“ verbot, ausländische Glaubensgenossen auf jegliche Art zu unterstützen. Bei Zuwiderhandlungen drohte eine Strafe von 10 Jahren Haft. Der französische König gab sich jedoch damit noch nicht zufrieden. Viktor Amadeus II. erließ somit am 31. Januar 1686 ein Edikt, welches der französischen Widerrufung des Ediktes von Nantes entsprach. Das Edikt schrieb eine Reihe von Anordnungen vor, die das Waldensertum in kurzer Zeit in Piemont ausgemerzt hätten. Die nachfolgenden Edikte wurden immer strenger und gipfelten in dem Edikt vom 25. September 1686, das feierlich die Wiedereinführung des Katholizismus sowie die Schaffung neuer katholischen Pfarrgemeinden und den Aufbau von Kirchen gebot. Das wurde auf Kosten von 8.000 in den Tälern festgenommenen Waldensern, also praktisch der gesamten Bevölkerung außer den Flüchtigen und denjenigen, die beim Versuch sich zu schützen, verstorben waren, in die Tat umgesetzt. Die Waldenser wurden in 13 savoyische Gefängnisse eingesperrt, die sie etwa ein Jahr lang „beherbergten“. Saluzzo, Fossano, Mondovì, Vercelli, Trino Vercellese und Turin sind einige der Städte, die schmerzlich in der Erinnerung einer von Intoleranz und Verfolgung geprägten Zeit verankert sind.

An dieser Stelle tauchte jedoch das belastende Problem der Gefangenen auf. Nach einem misslungenen Versuch sie als Galeerensklaven in Venedig zu verkaufen und einer langen Verhandlung mit den Delegierten der Schweizer Kantone, ordnete der Herzog an, dass die Waldenser unter Bewachung eines Militärgeleits ins Exil geführt wurden. In Piemont wurden nur als Geiseln im Gefängnis behaltenen Pastoren und Kinder zurückgehalten. Jungen unter 12 Jahren und Mädchen unter 10 Jahren sollten katholisch umerzogen werden. Die Waldenser, die ins Exil nach Genf gezwungen worden waren, folgten dem gleichen Weg wie die Hugenotten, aber sie wurden nunmehr noch im Jahr 1689 Protagonisten einer abenteuerlichen Heimkehr, auf der sie den französischen und savoyischen Truppen entgegentraten. Der epische Marsch, die „Glorreiche Rückkehr“, gilt als eines der wichtigsten und bedeutendsten Ereignisse in der Geschichte der italienischen und europäischen Waldenser-Gemeinschaft.

 

Übersetzung Stella Panosetti